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Römische LegionBearbeiten

Eine römische Legion (lat.: legio, von legere „lesen“ im Sinne von: „auslesen“, „auswählen“) ist ein selbstständig operierender militärischer Großverband, der aus circa 3.000 bis 6.000 Soldaten schwerer Infanterie und einer kleinen Abteilung Legionsreiterei besteht. Der Erfolg der römischen Legion beruht auf überlegener Ausrüstung, intensiver Ausbildung, Disziplin im Gefecht, aber auch taktischer Flexibilität. Sie bildet damit einen wesentlichen Faktor für die Expansion des römischen Reiches. Die Legionen operieren meistens zusammen mit nichtrömischen Hilfstruppen aus Infanteristen, Reitern, Bogenschützen und Schleuderern in etwa gleicher Zahl. Diese wurden in der frühen Republik von den Bundesgenossen (Socii) gestellt, zur Zeit jedoch in den Provinzen (Auxiliartruppen) rekrutiert, sind nicht Teil der Legion, werrden aber durch diese im Einsatz geführt und unterstützen diese unmittelbar mit ihren spezialisierten Fähigkeiten.

Römische Legionen gibt es bereits seit den frühen Tagen der Republik. Seit dem ist die Struktur der Legion erheblichen Wandlungen in Stärke, Zusammensetzung, Ausrüstung und Einsatz unterworfen. In der Frühzeit Roms war Legion die Bezeichnung für das gesamte militärische Aufgebot Roms. Mit dem Wachstum Roms wurden dann zusätzliche Legionen aufgestellt. In den Wirren der Bürgerkriege wuchs die Zahl der Legionen auf etwa 70 mit oft verminderter Größe. Zur Zeit liegt die Gesamtzahl bei um die 30 Legionen. Diese Legionen sind durch die Heeresreform des Gaius Marius ab 649 a.u.c. geprägt. Mit dieser Reform setzte sich auch die Wandlung der Legion von einer Wehrpflichtigen-Armee zur Berufsarmee durch.


Die Heeresreform des Marius [Bearbeiten]Bearbeiten

Durch die Niederlagen gegen die Kimbern, Teutonen und Ambronen wurde eine Heeresreform immer dringender. Diese Reform wird im Allgemeinen Gaius Marius ab 649 a.uc. zugeordnet, obwohl wie bei fast allen Veränderungen der römischen Legion von einer langsamen, aus Erfahrungen gewonnenen "Evolution" auszugehen ist. Durch die sogenannte marianische Reform wurde die Organisation und Ausrüstung der Legion stark geändert. (Seit dieser Reform wurde der Legionär ob seines umfangreichen Gepäcks auch der mulus Marianus, „das Maultier des Marius“, genannt.)

Konkret setzte Marius unter anderem folgende Änderungen in seinen Reformen durch: Das Mindesteinkommen (Zensus) für Rekruten wurde gesenkt (später abgeschafft). Dazu mussten die Soldaten nicht mehr für ihre Ausrüstung aufkommen, sondern wurden vom Staat einheitlich bewaffnet. Der Beitritt zur Armee wurde somit auch für Männer aus den ärmeren Bevölkerungsschichten (proletarii) möglich.

Außerdem wurde der Legionsadler eingeführt, um die Motivation der Truppe zu steigern. Die Soldaten mussten ihr Gepäck von nun an selber tragen (daher die oben angeführte Spottbezeichnung), wodurch die Marschgeschwindigkeit der Legion drastisch gesteigert werden konnte, denn der langsame und unsichere Begleittross wurde obsolet.

Des Weiteren fiel die bisherige Einstufung nach Vermögensklassen komplett weg. Stattdessen wurde das Dienstalter maßgeblich. Die Rekruten begannen als Leichtbewaffnete, kamen dann zu den Hastati, später den Principes und schließlich zu den Triariern. Somit gaben die erfahrensten Soldaten, die Triarier, der Truppe den Rückhalt.

Veteranen wurden vom Staat nach ihrem Dienst (16 Jahre) versorgt und bekamen ein Stück Land zugeteilt. Dafür, dass dies auch geschah, war der Heerführer verantwortlich, der die Zuweisung von Land auch gegen den Widerstand des Senats politisch durchzusetzen hatte. Dadurch gerieten die Legionäre in ein besonders enges Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem Heerführer, die so genannte Heeresclientel. Da die persönliche Treue der Soldaten zum Heerführer zunehmend wichtiger wurde als die Loyalität zum Staat, wurden nun Bürgerkriege möglich. Insofern wird die marianische Heeresreform von manchen als eine der wesentlichen Ursachen für den Untergang der römischen Republik angesehen. [1][2]Aufstellung der römischen Legion zur Zeit der Republik (nach der Heeresreform des Marius)Die Gliederung einer Legion nach der Reform des Marius:

1 Legion aus 10 Kohorten = 3600–6000 Mann;

1 Kohorte aus 3 Manipeln = 360–600 Mann;
1 Manipel aus 2 Zenturien = 120–200 Mann;
1 Zenturie mit 80 Mann

Jeder Legion waren zudem 300 Reiter (equites) zugeteilt.

Das Kommando führte ein oft aus politischen Gründen bestimmter Legat, dem sechs (zumeist sehr junge) Militärtribunen beigegeben wurden. Die Zusammenfassung von zwei Zenturien zu einem Manipel war vor allem im Gefecht von taktischer Bedeutung. Dort wurde das Kommando stets vom älteren der beiden Zenturionen (dem jeweiligen ′Centurio prior′) geführt.

Die Grundlagen dieser Heeresreform wurden auch in der nächsten Reform des Augustus nicht verändert, die aber für eine weitere Vereinheitlichung des Heeres sorgte.

Nach dem Bundesgenossenkrieg (91–88 v. Chr.) stellten die Socii keine eigenen Einheiten mehr. Seitdem bestand eine Legion nur noch aus etwa 6000 römischen Infanteristen. Verbündete und Söldner ersetzten die Reiterei und die leichten Fußtruppen (velites).

Taktik [Bearbeiten]Bearbeiten

Mit der Auflösung der geschlossenen Phalanx zur Manipularordnung bzw. später Kohortenordnung veränderte sich auch die Kampfweise gravierend. Die Legion stand dabei in Blöcken schachbrettartig aufgestellt in meistens zwei oder drei Treffen. Die nun in den vorderen Gliedern stehenden leichter gepanzerten Hastati zogen sich nach dem ersten Anprall durch die Lücken in der Aufstellung der Prinzipes zurück, wenn sie den Feind nicht überwinden konnten.

Das Pilum wurde dabei auf Kommando aus einer Entfernung von ca. 10 bis 20 Schritt geschlossen in den Feind geworfen, um seine Reihen zu öffnen und seine Schilde zu beschweren. Anschließend erfolgte der Kampf mit dem Gladius (Kurzschwert), dazu gingen die Legionäre von der offenen in die geschlossene Ordnung über. Als letztes Treffen standen die immer noch mit der Hasta bewaffneten Triarii. Sie schufen mit ihren schräg in den Boden gerammten Lanzen einen Wall, der die Letzte Verteidigungslinie bildete, sollten auch die Prinzipes nicht standhalten können.


Die Legion im Prinzipat [Bearbeiten]Bearbeiten

Gliederung [Bearbeiten]Bearbeiten

Seit der Heeresreform des Marius war die römische Armee in Legionstruppen (in denen römische Bürger als schwere Infanterie dienten) und Auxiliareinheiten (Hilfstruppen) verbündeter Völker gegliedert und wandelte sich in eine Berufsarmee, die unter Kaiser Augustus zum stehenden Heer wurde.

Nach der Reform der Legion in der römischen Kaiserzeit (Verdoppelung der ersten Kohorte zu einer Cohors militaria und Unterstellung einer 120 Mann starken Reiterabteilung) besteht die römische Legion aus einer Standardgröße von knapp 5.500 Mann. [3][4]Aufstellung der römischen Legion zur KaiserzeitDie Legion (Sollstärke) setzt sich zusammen aus (siehe dazu auch die Grafik):

Legionstruppen (5.500 Mann):
1. Kohorte (800 Mann):
5 Zenturien à 160 Mann
2. bis 10. Kohorte (4.320 Mann – 9 Kohorten zu 480 Mann):
je Kohorte 3 Manipel zu je 2 Zenturien à 80 Mann
Kavallerie (120 Mann):
4 Reiterabteilungen (Turmae) à 30 Mann. Sie dienten in erster Linie zur Aufklärung und Meldereiterei.
Adjutanten und Offiziere (250 Mann)

Auf Feldzügen kommt etwa die gleiche Anzahl Hilfstruppen hinzu, die aber nicht zur Legion gehört, jedoch durch den Legaten kommandiert werden:

Auxiliartruppen (rund 5.000 Mann):
Kohorten (Infanterie)
10 Kohorten
Kavallerie (Ala)
16–24 Abteilungen (Turmae)
Cohors Equitata (gemischte Einheit aus Infanterie und Kavallerie).

So kommt eine Legion inklusive Hilfstruppen und Tross bei Vollbesetzung auf knapp 11.000 Mann. Die Feldzeichen (Signum) genießt göttliche Verehrung und wird daher besonders geschützt. In der 1. Kohorte, insbesondere in der Zenturie des Legionsadlers, dienten daher nur besonders ausgewählte Soldaten.Die Zusammenfassung von zwei Zenturien zu einem Manipel besteht zwar nominell noch, hat aber zu Gunsten der Kohorte ihre taktischen Bedeutung verloren.

Die Einheiten der Auxiliartruppen sind stärkeren Unterschieden als die Legionstruppen unterworfen, da sie teilweise über spezielle Ausrüstung verfügten (z. B. Bogenschützen) oder an die typischen Gegebenheiten der Herkunftsländer angepasst sind. Gewöhnlich sind die Auxiliareinheiten nicht mit den Legionen zusammen, sondern in eigenständigen Lagern (Castra) untergebracht.


Weiterhin verfügt die Legion noch über Spezialtruppen wie Geschütze und über einen Tross zur Versorgung der Legion, außerdem noch über einen umfangreichen Verwaltungsapparat, da die Legion auch Aufgaben der Verwaltung in ihrer Provinz und viele Baumaßnahmen wahrzunehmen hat. Die Verwaltung rekrutierte sich aus den aktiven Soldaten der jeweiligen Einheiten

Hierarchie [Bearbeiten]Bearbeiten

Die Legion wird von einem Stab aus elf Offizieren geführt. Das Kommando hat ein Legatus aus dem Senatorenstand, entweder der Statthalter der Provinz (legatus Augusti pro praetore) oder — in Provinzen mit mehreren Legionen – ein legatus legionis. Die in Ägypten stationierten Legionen werden von Präfekten aus dem Ritterstand kommandiert. Dem Legaten steht ein Tribunus Laticlavius (ebenfalls aus dem Senatorenstand) als Stellvertreter zur Seite. Im festen Lager rangiert dahinter der Praefectus Castrorum (Lagerkommandant), der höchste Dienstgrad, den ein Nichtadeliger erreichen kann. In der taktischen Befehlskette schliessen sich fünf Tribuni Angusticlavii aus dem Ritterstand an. Dahinter steht noch der Primus Pilus, der höchste aller Zenturionen.

Auch die beiden Primi Principes und die beiden Primi Hastati – die Centurionen der anderen Centurien der ersten Kohorte – sind anderen Centurionen noch übergeordnet, Unterschiede sind allerdings nur in sozialem Rang und Sold spürbar. Die Centurionen der übrigen Centurien bilden nur noch Hierarchien zwischen den Priori und Posteriori der einzelnen Manipel.

Innerhalb der Centuria gibt es noch ein Vielzahl von Dienstgraden, die entweder dort oder bei Abkommandierungen erreicht werden können.

Der einfache Soldat heißt miles gregarius / miles legionarius. Die nächste Stufe sind die immunes, die vom normalen Tagesdienst (Wache) befreit, aber noch keine Vorgesetzten sind. In der Centurie sind dies der Hornbläser cornicen und der Waffenwart custos armorum, daneben gibt es aber immunes auch im Stabsdienst oder in der zivilen Verwaltung. Eine Ausnahme bildet der decanus der kein immunes ist, aber über die Soldaten seines Contuberniums befehlen kann.


Als principalis erhält der Legionär dann einen höheren Sold und Vorgesetztenfunktion. In einer Centuria gibt es als Stellvertreter des Centurio den optio. Rangmäßig über dem Optio, aber nicht als weisungsbefugter Vorgesetzter, steht der signifer, der Feldzeichenträger. Weiterhin gibt es noch den tesserarius, verantwortlich für die Wache und der Schreiber der Centurie. Der tesserarius erhält den anderthalbfachen Sold eines Legionärs (sesquiplicarius), Signifer und Optio den doppelten Sold (duplicarius).


Ausrüstung [Bearbeiten]Bearbeiten

Der Legionär verfügt über ein umfangreiches Arsenal an Waffen, Schutzausrüstung, Schanzwerkzeug und persönlicher Ausrüstung.

Jede Zeltgemeinschaft (Contubernium) verfügt über ein Maultier, auf dem die gemeinsame Ausrüstung der Zeltgemeinschaft mitgeführt wird. Dies ist ein Lederzelt, eine Handmühle (Getreide wird ungemahlen ausgegeben), evtl. zusätzliche Verpflegung, sowie Schanzausrüstung für die Errichtung eines Marschlagers. Teilweise verfügt die Zeltgemeinschaft über einen Helfer, der sich auch um das Maultier kümmerte. Die Anzahl dieser „Helfer“ kann pro Legion auf über tausend Mann/Frau betragen, da insbesondere der Tross und die Reitereinheiten über eine erhebliche Anzahl von Pferdeknechten verfügen.

Mannschaften [Bearbeiten]Bearbeiten

Jeder Legionär erhält als Körperpanzerung eine Lorica Hamata (Kettenhemd) oder eine Lorica Segmentata (Schienenpanzer). Dazu kommt eine Cassis (Helm). Zum weiteren Schutz erhält der Legionär das Scutum, einen großen rechteckigen Schild aus Holz, überspannt mit verziertem Leder oder Filz, sowie mit eisernem Schildbuckel. Der Gladius, ein Kurzschwert mit ca. 50 cm Klingenlänge, das auf der rechten Seite getragen wird, ist die kennzeichnende Waffe der Legion. Außerdem trägt jeder Legionär zwei Pila (Wurfspieße). In manchen Einheiten gibt es auch die Hasta (Speer) für Teile der Legion. Dazu kommt noch ein Pugio (Dolch). Die Kosten hierfür werden vom Sold abgezogen.

Die Kavallerie und einige Auxiliartruppen verwenden sowohl Gladius als auch die längere Spatha. Sie haben auch abgewandelte Körperpanzerungen und runde Schildformen (Parma). Funda (Schleuder) und Bogen sind zwar auch bei den Legionen im Einsatz, normalerweise werden jedoch spezialisierte Auxiliareinheiten damit ausgerüstet.

Centurionen [Bearbeiten]Bearbeiten

Die Centurionen tragen im Prinzip die gleiche Ausrüstung wie die Mannschaften, sie jedoch insgesamt aufwändiger gearbeitet und verziert. Sie tragen ihr Schwert auf der Linken Seite. Zusätzlich haben sie Beinschienen Ihr Helm ist mit einem querstehenden Kamm aus rotgefärbtem Pferdehaar gekennzeichnet (crista transversa).

Stabsoffiziere [Bearbeiten]Bearbeiten

Die Schutzausrüstung der Legaten und Tribune ist sehr individuell und trägt vor allem dem Bedürfnis nach Repräsentation Rechnung. Typisch sind prächtige Rüstungen im Stil des griechischen Muskelpanzers aus Bronze mit einem Schurz aus metallbeschlagenen Lederstreifen (Pteryges). Als Helm wird oft ein ebenfalls griechischen Vorbildern folgender sogenannter „pseudoattischer“ Typ mit dem typischen längs verlaufenden Kamm verwendet.

Schwere Waffen [Bearbeiten]Bearbeiten

Schwere Waffen wie Katapulte, Ballistae und Onager oder Belagerungstürme werden auf Feldzügen in der Regel vor Ort hergestellt oder für Feldzüge mitgeführt. Bestandteile (Beschläge, Winden usw.) dafür werden mitgeführt. Die Legionen führt normalerweise 55 leichte Geschütze, sogenannte Karrenballisten (Carroballistae), sowie 10 Onager mit.

Schanzwerkzeug [Bearbeiten]Bearbeiten

Jedes Contubernium führt eine Vielzahl von Ausrüstungsgegenständen zum Errichten geschützter Lagerstätten mit sich. Dazu gehören die eine Pionieraxt, Körbe, Spaten, Seile, eine Kette, eine Säge, Hammer und Rasenstecher mit sich, sowie insgesamt 16 Pila muralia. Diese Last wird in der Regel auf das zum Conubernium gehörenden Maultier verladen.

Persönliche Ausrüstung [Bearbeiten]Bearbeiten

Die Bekleidung des Legionärs bestehht neben den oben angeführten Rüstungsteilen aus einem kurz- oder langärmeligen Untergewand (Tunica) aus Wolle. Darüber wird der aus schwerer, verfilzter Wolle hergestellte Umhang der römischen Soldaten Paenula oder Sagum getragen. Der oft reich verzierte Gürtel (Cingulum) kennzeichnet den Soldaten, auch wenn er keine Rüstung tragt. Das Schwert wird am Balteus, einem Bandelier, getragen. Als Synonym für den Militärdienst gelten die genagelten Sandalen (Caligae) und das Halstuch (Focale) geschlungen.

Die Feldflasche und der Topf sowie die Verpflegung werden in einem Sarcina genannten Sack transportiert.

Je nach Einsatzgebiet kommen noch andere Ausrüstungsgegenstände hinzu, wie Strümpfe oder Hosen (feminalia).


Ausbildung [Bearbeiten]Bearbeiten

Die Ausbildung der Tiros dauert in aller Regel zwischen 3-6 Monaten. Die Tiros lernen während dieser Grundausbildung das Marschieren in Formation, das lange Marschieren mit Gepäck, sowie sportliche Ausbildung wie Hoch und Weitsprung, Laufen und Schwimmen, aber auch mitlitärische Grundfertigkeiten wie Speerwerfen, Kampf mit Schwert und Schild, Bogenschießen, errichten von Marschlagern,

Dreimal monatlich gibt es einen Übungsmarsch über 10 römische Meilen (etwa 16 Kilometer), auf dem das Marschtempo gewechselt wird, um Eilmarsch und rasche Rückzüge zu üben. In der Gefechtsausbildung übt man den offenen Kampf, die Abwehr unerwarteter Angriffe und Überfälle. Besonderer Wert wird auf die Ausbildung an der Waffe und den Kasernenhofdrill zur Stärkung der Disziplin gelegt.

Zur Ausbildung wurden Holzschwerter und Schilde aus Weidengeflecht verwendet, die erheblich schwerer waren als die echten Scuta.

Bestrafungen [Bearbeiten]Bearbeiten

Bei Diebstahl und körperlicher Untüchtigkeit (z. B. Trunkenheit) verabfolgen die Centurionen die Prügelstrafe. Daneben können unangenehme Dienste oder die Zuteilung von Rationen aus Gerste (die als Viehfutter galt) als Strafen verhängt werden.

Einheiten, die versagt haben, können für einige Zeit aus dem Lager verbannt werden und müssen ungeschützt vor den Mauern kampieren, meistens dabei auch auf Gersteration gesetzt. Die strengste Strafe besteht in der Dezimierung („decimatio“) einer Einheit. Dabei wird jeder Zehnte Mann der Einheit ausgelost und von den Mitsoldaten getötet. Das kommt allerdings eher selten vor. Einheiten, die ihre Ehre verlieren hatten, werden unter Umständen aufgelöst.

Taktik [Bearbeiten]Bearbeiten

Der Erfolg der römischen Legion beruhte auf überlegener Ausrüstung, Ausbildung und hoher Disziplin im Gefecht.

Die Legion kämpfte sowohl in geschlossener Schlachtordnung, so dass der einzelne Soldat nur von vorn angreifbar und sehr gut durch den großen Schild gedeckt war, als auch – im Gegensatz zur Phalanx – in lockerer Schlachtordnung, in der der Legionär keinen Kontakt zu Nachbarn, Vorder- und Hintermann hatte. Dies erforderte unter Umständen größere Disziplin, als in den dichten Reihen der Phalanx zu kämpfen. Die normale Schlachtordnung wies dabei eine Gliederung in drei Reihen auf. Zwei Zenturien wurden zu einem Manipel unter dem Befehl des dienstälteren Centurio zusammen gefasst. Später erfolgte die Aufstellung nur noch in Kohorten.

Der Gegner wurde auf ca. 20 Schritt Entfernung mit einem Hagel aus Wurfspießen (Pila) überschüttet. Diese sollten, neben dem Beifügen von Verlusten, den gegnerischen Schildwall und die Formation auflösen. Es wird wiederholt berichtet, dass die letzte Strecke zum Gegner im Laufschritt mit lautem Geschrei zurückgelegt wurde. Vor dem Zusammenprall der gegnerischen Linien schloss die römische Legion in der Regel die Ordnung und ließ den Gegner gegen den Wall der Schilde prallen. Wahrscheinlich wurden dabei die vorderen Reihen durch die Schilde der Hinteren aufgefangen bzw. vorgeschoben. Aus der Deckung des großen Schildes heraus versuchten die römischen Legionäre vor allem das Gesicht oder die Seite ihres Gegners zu treffen. Der Gladius wurde dabei meist als Stichwaffe benutzt. Fiel ein Legionär, trat der Hintermann vor und schloss die Lücke.

Die entscheidende Stärke der Legion gegen weniger organisierte „Barbaren“-Heere war ihre unbedingte Geschlossenheit, durch die jeder von seinem Nebenmann gedeckt wurde, und die Tiefe der Glieder, die ein Durchbrechen der Linie verhinderte. Im Vergleich zu anderen Aufstellungen, z. B. der Phalanx, konnte die Legion dabei taktisch flexibler eingesetzt werden. Sie konnte im Gefecht schwenken, versetzt vorrücken und (eingeschränkt) sich kämpfend zurückziehen. Letzteres ist, soweit bekannt, mit einer Phalanx nur ein einziges Mal (unter Philipp II. von Makedonien) gelungen.

Die Aufgabe der Auxiliartruppen war es dabei anfangs, den Gegner vor dem Zusammentreffen der Hauptstreitmacht zu schwächen und vor allem die Flanken der Legion zu decken. Besonders der Reiterei der Alae kam die Aufgabe zu, ihrerseits die gegnerische Schlachtordnung zu umfassen und von den Flanken oder der Rückseite her aufzulösen. Später, als sich die meisten Auxiliareinheiten in Bewaffnung und Ausrüstung den Legionen angeglichen hatten, entfiel dieser Unterschied.

Geriet die Formation einer Legion unter Beschuss, zum Beispiel durch Pfeile oder Wurfspeere, konnten sich die Legionäre zur bekannten Schildkrötenformation (testudo) zusammenschließen. Die großen Schilde der Legionäre schützten sie dann auch von oben. Die Formation wurde aber fast nur bei Belagerungen angewandt.

Um Erschöpfung vorzubeugen, konnte zudem in der Legion durch den Rotate-Befehl die gesamte erste Linie durch die Reihen bis in die letzte zurückgezogen werden, während die nachfolgende Reihe selber vortrat. So konnte auch bei heftigsten feindlichen Angriffen die vorderste Linie gehalten werden, da jeder Legionär einer Legion so nur wenige Minuten oder gar Sekunden kämpfte, bevor er in der ersten Reihe abgelöst wurde: Eine Taktik, die unter anderem Caesar erfolgreich bei der Belagerung von Alesia eingesetzt hat.